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	<title>Stephan Szillus</title>
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		<title>Stephan Szillus</title>
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		<title>Marteria – »Schlaflos in Berlin« (07/2010)</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 19:36:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Szillus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschrap]]></category>
		<category><![CDATA[Four Music]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Delay]]></category>
		<category><![CDATA[Marteria]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Fox]]></category>
		<category><![CDATA[The Krauts]]></category>

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		<description><![CDATA[Du schaust aus dem Fenster, da unten liegt Kreuzberg zu deinen Füßen. Da drüben ist das »Watergate«, da vorne das »Café Bagdad« und da hinten das »Magnet«. Stimmengewirr, Menschengedränge, Sirenen, Lichter. Es ist flirrend heiß. Du kannst nicht schlafen. Dieses rastlose Berlin ist die Kulisse von »Zum Glück in die Zukunft«. Der Rapper, Texter und [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=stephanszillus.com&amp;blog=32961797&amp;post=68&amp;subd=stephanszillus&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Du schaust aus dem Fenster, da unten liegt Kreuzberg zu deinen Füßen. Da drüben ist das »Watergate«, da vorne das »Café Bagdad« und da hinten das »Magnet«. Stimmengewirr, Menschengedränge, Sirenen, Lichter. Es ist flirrend heiß. Du kannst nicht schlafen.</p>
<p>Dieses rastlose Berlin ist die Kulisse von »Zum Glück in die Zukunft«. Der Rapper, Texter und Songwriter <strong>Marteria</strong> hat zwölf einzigartige Songs erschaffen, die ein echtes, authentisches Lebensgefühl zwischen Neuköllner Kiezkindern, jungen Müttern vom Prenzlauer Berg und Friedrichshainer Lebenskünstlern auf den Punkt formulieren. Und die trotzdem genau so gut in Eberswalde oder Villingen-Schwenningen funktionieren. Lyrisch wie musikalisch ist »Zum Glück in die Zukunft« laut Marterias Freund und Mentor <strong>Jan Delay</strong> das beste deutschsprachige HipHop-Album, das in den letzten Jahren erschienen ist.</p>
<p>Die Soundarchitekten dieser Platte sind Monk, DJ Illvibe und Berger, zusammen bekannt als <strong>The Krauts</strong>. Sie haben zusammen mit <strong>Peter Fox</strong> dessen Soloalbum »Stadtaffe« produziert, das sich bis heute über eine Million Mal verkauft hat, was einer fünffachen Platinauszeichnung entspricht. Um das Album zu schreiben, bezogen Marteria und The Krauts vor gut zwei Jahren eine Zweckwohngemeinschaft in einem dänischen Ferienhaus. »Da war nur eine Koppel mit zwei Pferden und das Meer in Sichtweite, du hast ein Eichhörnchen furzen hören«, lacht Marteria. In der Sauna wurde die Aufnahmekabine errichtet, in den Schlafzimmern wurden Keyboards und Equipment aufgebaut. Nach zwei Wochen kehrten die Musiker mit einem dicken Batzen Songlayouts zurück. All die Ideen, die <strong>Marteria</strong> in seiner lauten, hektischen Wahlheimat gesammelt hatte, konnte er in der abgeschiedenen Idylle der dänischen Provinz endlich zu Papier bringen.</p>
<p>Neben den Krauts sind die Mitstreiter auf »Zum Glück in die Zukunft« ein buntes Sammelsurium aus glühenden Verehrern, Freunden, Mentoren und Lieblingsmenschen des Wahlberliners. Da wäre natürlich<strong> Jan Delay</strong>, der Supporter der ersten Stunde. Auch <strong>Peter Fox</strong> hat eines seiner seltenen Features aufgenommen nicht nur, weil er ohnehin öfters bei den Krauts im Studio vorbeischaut, sondern auch, weil er einfach an Marteria glaubt. <strong>Miss Platnum</strong>, die mittlerweile zu seiner guten Freundin geworden ist und mit ihrer gewaltigen Stimme gleich auf mehreren Songs in Erscheinung tritt. <strong>Casper</strong>, die andere Hoffnung des neuen deutschen HipHop. <strong>Yasha</strong>, ein in New York lebender Exilberliner und das nächste große Projekt der Krauts. Und nicht zuletzt <strong>Marsimoto</strong>, der imaginäre Bruder, das verkiffte Comic-Alter-Ego von Marteria, das ihm aber letztlich den Weg geebnet hat.</p>
<p>Rewind. Geboren vor 27 Jahren in Rostock als <strong>Marten Laciny</strong>, aufgewachsen in der Plattenbausiedlung Lichtenhagen, schaffte es der fußballbegeisterte Junge zum Kapitän der Jugendmannschaft des FC Hansa Rostock und sogar in die U17-Nationalmannschaft unter Trainer <strong>Horst Hrubesch</strong>. Gerade volljährig, wurde er in New York auf der Straße als Model entdeckt und arbeitete bald in Paris oder Mailand für Designer wie Boss oder Valentino. Da die Oberflächlichkeit der Modebranche schnell an seinem Nervenkostüm nagte, begann er ein Schauspielstudium in Berlin. Die einzige Konstante in seinem turbulenten jungen Leben war die Musik: Vom älteren Bruder früh mit HipHop angefixt, nahmen die Rostocker Lokalmatadoren von der <strong>Underdog Cru</strong> den talentierten MC schon früh mit auf Festivalbühnen und Tourneen. Die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule bestand er, indem er einen komplexen Verse des legendären Ruhrpott-Rappers <strong>Aphroe</strong> souverän rezitierte.</p>
<p>Vor vier Jahren tauchte Laciny erstmals auf der Bildfläche der Öffentlichkeit auf. Das HipHop-Fachmagazin <strong>JUICE</strong> zeigte sich auf Anhieb beeindruckt von der Innovationskraft seines Debütalbums »Halloziehnation«, das er unter dem Alias-Namen <strong>Marsimoto</strong> aufgenommen und über das Indie-Label Magnum12 veröffentlicht hatte. 30 schräg-verstolperte Songskizzen, aus Sicht einer kiffenden Alien-Comicfigur mit Heliumstimme erzählt, inspiriert vom kalifornischen Beat-Guru <strong>Madlib</strong> aka <strong>Quasimoto</strong>. 2007 folgte »Base Ventura«, das erste Album Lacinys unter dem Künstlernamen Marteria, die fortschreitende Mundpropaganda kulminierte schließlich in öffentlichen Lobpreisungen durch Jan Delay und Peter Fox, die ihn genau wie <strong>Sido</strong> und <strong>Samy Deluxe</strong> als Tournee-Support verpflichteten. Marteria unterschrieb einen Künstlervertrag bei <strong>Four Music</strong> und veröffentlichte als erstes Lebenszeichen in der neuen Labelheimat das Marsimoto-Album »Zu zweit allein«. Bei <strong>Stefan Raab</strong>s »Bundesvision Song Contest« trat er 2008 mit dem Song »Zum König geboren« für sein Heimatland Mecklenburg-Vorpommern an. Doch anstatt zu versuchen, den Hype in einen schnellen Euro umzuwandeln, verkroch er sich ein paar Monate später mit The Krauts in besagtes dänisches Ferienhaus. Eine waghalsige Entscheidung, die sich als richtig herausstellen sollte.</p>
<p>»Zum Glück in die Zukunft« ist das vierte Album des Künstlers mit den zwei Gesichtern. Es ist keine Abkehr von seinem bisherigen Sound, sondern eine enorme Weiterentwicklung, die man nur als Quantensprung bezeichnen kann. Die dreckige, kantige, basslastige Ästhetik seiner bisherigen Produktionen war genau so von amerikanischem <strong>HipHop</strong> wie von britischem <strong>Grime</strong> und französischem <strong>Electro</strong> inspiriert worden. Auf dem neuen Werk erweitert sich dieser Entwurf um eine Facette, deren einzige korrekte Maßeinheit die der »Größe« ist: Die Songs wurden durch Orchester, Streicher, Chöre und jede Menge Raumklang angereichert, um einen »Vibe« zu kreieren, wie Marteria immer wieder betont. Beeinflusst durch die Musik von <strong>Björk</strong> oder <strong>The Streets</strong>, haben The Krauts zusammen mit Marteria ein Soundbild entwickelt, dessen Intensität zuletzt tatsächlich nur auf »Stadtaffe« erreicht wurde: Beats mit »Dreck, Edge und Power«, wie Marteria es auf den Punkt bringt, aber auch mit Harmonien und Melodien für die Ewigkeit.<strong> Jay-Z</strong> meets <strong>Flying Lotus</strong> meets »The <strong>Berghain</strong> Sound«.</p>
<p>Auch inhaltlich öffnet Marteria sich gegenüber dem Mainstream, ohne dadurch jemals in massentaugliche, gleichgeschaltete Plattitüden abzudriften. »Deepness siegt immer«, findet er, und: »Wir Deutschen sind ein Volk von Text-Liebhabern«. Damit dürfte er Recht behalten. Dabei ist seine Platte nicht schwermütig geraten aber eben auch zu keinem Zeitpunkt dumm oder plakativ. Es gibt Songs über Liebe, Familie und Tod, über reiche Russinnen in Berlin, über <strong>»Amy’s Weinhaus«</strong>, sein ganz persönliches <strong>»Marteria Girl«</strong> und natürlich über Schlaflosigkeit. <strong>»Verstrahlt«</strong> ist eine unbeschwerte Hymne an den Hedonismus, während mit <strong>»Sekundenschlaf«</strong> die Antwort in Form einer Erinnerung an die Vergänglichkeit allen Daseins folgt. Das Album ist ein emotionaler Husarenritt durch verschiedenste Stimmungen, inhaltlich zusammengehalten vor allem durch Marterias herausragende Fähigkeit zur Formulierung treffender Bilder und Metaphern.</p>
<p>Am Ende des Tages ist <strong>»Zum Glück in die Zukunft«</strong> eine HipHop-Platte. Allerdings eine, die sich fernab von albernen Räuberpistolen und billigem Ami-Abklatsch eine ganz eigene Spur gesucht hat. Eine Platte, die HipHop in seiner ursprünglichsten Form definiert und Einflüsse aus Electro, Dancehall, Grime und Dubstep zu einem hochexplosiven Gemisch verdichtet. Eine Platte, die lange Zeit in ihrer Entstehung gebraucht hat und ihre Hörer eine noch längere Zeit lang begleiten will. Kurzum: Eine Platte, die gekommen ist, um zu bleiben.</p>
<p><strong>Company Flow</strong> rappten einst, man brauche »8 Steps To Perfection«. Mit »Zum Glück in die Zukunft« ist <strong>Marteria</strong> auf der neunten Stufe angekommen.</p>
<p>(<a href="http://www.sonymusic.de/Marteria/Biographie">sonymusic.de</a>)</p>
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		<title>DCS – »Herz, Kopf und Seele« (11/2011)</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Feb 2012 19:04:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Stephan Szillus</dc:creator>
				<category><![CDATA[Biografien]]></category>
		<category><![CDATA[Deutschrap]]></category>
		<category><![CDATA[DCS]]></category>
		<category><![CDATA[DJ Lifeforce]]></category>
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		<description><![CDATA[In dieser Liga der Extra-Ordinären sind sie die Gentlemen: Schivv, Ro Kallis, Peer Formance, DJ Lifeforce und – manchmal – Albo. Zusammen: DCS, vormals Die Coolen Säue. Deutsche HipHop-Urgesteine aus Cool Cologne, heute erwachsene Männer, Familienväter, Anwälte und Werber. Mit »Silber« erscheint im Januar 2012 ihr erstes gemeinsames Lebenszeichen seit gut zwölf Jahren. Frischer Grown Man Rap ohne Zeigefinger [...]<img alt="" border="0" src="http://stats.wordpress.com/b.gif?host=stephanszillus.com&amp;blog=32961797&amp;post=47&amp;subd=stephanszillus&amp;ref=&amp;feed=1" width="1" height="1" />]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In dieser Liga der Extra-Ordinären sind sie die Gentlemen: Schivv, Ro Kallis, Peer Formance, DJ Lifeforce und – manchmal – Albo. Zusammen: <strong>DCS</strong>, vormals <strong>Die Coolen Säue</strong>. Deutsche HipHop-Urgesteine aus Cool Cologne, heute erwachsene Männer, Familienväter, Anwälte und Werber. Mit <strong>»Silber«</strong> erscheint im Januar 2012 ihr erstes gemeinsames Lebenszeichen seit gut zwölf Jahren. Frischer Grown Man Rap ohne Zeigefinger und Staubschicht, dafür am Puls der Wirklichkeit. Zeitgemäß, ohne krampfhaft jugendlich sein zu wollen. Musik für »30 Somethings« und solche, die es werden wollen. HipHop mit Themen aus dem echten Leben, jenseits von juvenilem Geprahle, schlichter Sozialromantik und Plattenbau-Klischees. <strong>»Silber«</strong> beweist, dass man auch hierzulande mit HipHop erwachsen werden kann und darf. Dass man sich für seine subkulturelle Sozialisation nicht schämen muss, selbst wenn man mittlerweile einen »anständigen« Beruf ausübt. Oder Verantwortung für andere Menschen trägt.</p>
<p>Rückblende. <strong>Schivv</strong>, <strong>Peer</strong> und <strong>Ro Kallis</strong> sind Infizierte der zweiten Stunde. Anfang der Neunziger finden sich die drei, die zuvor bereits in verschiedenen Verbünden musikalisch aktiv waren, als Team zusammen. Erst erscheint eine Compilation mit u.a. den Fantastischen Vier und Fresh Familee (»Die deutsche Reimachse«), dann produziert man gemeinsam ein Debütalbum (»Kinderphantasien«), das jedoch wegen Problemen mit der damaligen Plattenfirma nie erscheinen kann. Erst 1996 wird <strong>»Stärker als das Schicksal«</strong> veröffentlicht, eine Sammlung von »Stückwerken und alten Sachen«, ein Jahr später dann schließlich das Konzeptalbum <strong>»Ungesund und teuer«</strong>, an dem auch <strong>DJ Lifeforce</strong> (vormals Indeed und Em:Zeh) und die Soulsängerin Brooke Russell mitarbeiten. <strong>DCS</strong> ernten Kritik von der Basis, aber gleichzeitig auch euphorischen Zuspruch von Kritikern und Fans für ihren mutigen Schulterschluss mit R&amp;B, Soul und Pop-Melodien.</p>
<p>Als ich selbst 1996 das Video zu <strong>»Wie war das noch mal?«</strong> zum ersten Mal bei Viva sehe, fühle ich mich positiv an meine damaligen Helden aus Amerika erinnert: The Pharcyde, Gang Starr, Outkast oder De La Soul. Diese Kölner Jungs sind mit den Skills und der Knowledge der Alten Schule gesegnet, treten aber mit der Attitüde junger Wilder auf. Nur aus Majorlabel-Sicht wird das Album leider kein Erfolg und teilt somit das Schicksal vieler legendärer HipHop-Meisterwerke dieser Ära. Das nächste Album <strong>»1999… Von vorne!« </strong>erscheint folgerichtig nicht mehr bei der großen Plattenfirma, sondern beim Ruhrpott-Indie Deck8. Inhaltlich wie musikalisch zeigt es eine deutliche Abkehr vom vorherigen, doch recht komplexen Spagat zwischen Mass Appeal und Realness hin zu raueren Underground-Styles. Der Industriefrust ist <strong>DCS</strong> deutlich anzuhören, kompromisslos eliminieren sie alle Mainstream-Elemente aus ihrem kantigen Soundentwurf. Die Single <strong>»Ohne Ende« </strong>wird zur Szenehymne, im Deutschrap-Boomjahr 2000 gehen <strong>DCS</strong> mit Tefla &amp; Jaleel, Curse, Pyranja und Lenny als »Swingerclub« auf Tour, Deck8 jedoch kurz darauf in die Insolvenz. Ro Kallis, Schivv und DJ Lifeforce veröffentlichen vereinzelte Soloprojekte, anschließend zerstreuen sich die Mitglieder der Band aus beruflichen und privaten Gründen quer durch Deutschland.</p>
<p>Schleichend tritt das echte Leben bei den vier HipHop-Verrückten in den Vordergrund: Ro Kallis wird Werber, zieht nach Hamburg, Amsterdam und schließlich nach Berlin. Peer und Schivv absolvieren ihre juristischen Staatsexamina, werden Rechtsanwälte in Vollzeit, arbeiten zeitweilig sogar in derselben renommierten Kölner Medienkanzlei und betreuen vornehmlich Künstler, Musiker, Plattenfirmen und Film-/TV-Produktionen. Lifeforce wird Abteilungsleiter bei einem Hersteller von DJ-Equipment, zieht aufs Land und dort drei Kinder groß. Man bleibt einander in Freundschaft und Geistesverwandtschaft verbunden, doch <strong>DCS</strong> liegt auf Eis. Wenn man sich mal sieht, ist man allerdings sehr schnell wieder beieinander. Vor allem, wenn es um Rapmusik geht. »Man wird diese HipHop-Sache ja auch nicht los, die Liebe zu Rap, dieses Gefühl mitmischen, was machen zu wollen«, sagt Schivv. Nur die nötige Zeit und Konsequenz fehlt fast zehn Jahre lang. Aus der vagen Schwärmerei, irgendwann doch noch ein Album zu machen, auf dass sich der Kreis endgültig schließe, wird im September 2010 schließlich Ernst.</p>
<p>Es ist das »10 Jahre Feuerwasser«-Konzert ihres alten Kumpels Curse, das eine neue Gruppenenergie entstehen lässt. Trotz neun Jahren ohne Auftritt und nur zwei Nachmittagen Probezeit ist auf der Bühne sofort wieder der alte Spirit zu spüren. Der Schalter ist umgelegt. Curse’ Abschied aus dem Rap-Spiel wird zum Neuanfang für <strong>DCS</strong>. Ein Kurzurlaub in der Eifel bringt zwei neue Songskizzen hervor. Die anfängliche Unsicherheit, ob man im kompetitiven Rap-Spiel überhaupt noch mithalten kann, weicht schnell einer explosiven Mischung aus alter Routine und neuer Euphorie. Nach Feierabend werden zwischen Köln und Berlin weitere Beats gebaut, Texte geschrieben und jede Menge Mails verschickt. »Man musste ja auch einen konzeptionellen Ansatz finden«, so Schivv. »Wir sind im Leben angekommen, haben Berufe, Familie und sind trotzdem Rap-Köppe geblieben. Uns war wichtig, mit unseren Songs an keiner Stelle zu lügen, keine Scheinwelten zu konstruieren, nicht unsere Egos oder Rap selbst zu thematisieren, sondern unser echtes Leben – Dinge, die uns tatsächlich berühren und betreffen, unpeinlich und nach Stand der Kunst.«</p>
<p>Was <strong>DCS</strong> tatsächlich berührt und umtreibt, lernt man in Songs wie <strong>»Eins«</strong>, dem Solotrack des zweifachen Familienvaters <strong>Schivv</strong>, der sich unpathetisch und gleichzeitig sehr emotional an seine Frau und seinen erstgeborenen Sohn richtet. Oder in einem Stück wie <strong>»Nachtfrost«</strong>, das <strong>Ro Kallis</strong> für einen ungeschriebenen Brief an seine verstorbene Mutter nutzt. Oder in weniger schwermütigen, dafür umso unterhaltsameren Nummern wie <strong>»Sex im Alter«</strong>, wo es um hemmungslosen, bacchantischen Genuss in Form von gutem Essen und Trinken geht. Nicht zuletzt wäre <strong>»In die Welt«</strong> zu nennen – ein Song über Fern- und Heimweh, über den Drang in die Welt hinaus bei gleichzeitiger Erdung an einem bekannten Ort, der in diesem Fall nur Köln heißen kann. All diese Themen bearbeiten <strong>DCS</strong> natürlich mit der gebotenen Ernsthaftigkeit, aber auch einer Eloquenz, Lockerheit und Selbstsicherheit, die den erwachsenen Männern zumindest einen entscheidenden Vorteil gegenüber hungrigen, wettbewerbsorientierten Jungspittern verschafft.</p>
<p>Für die Arbeit am Album werden Terabytes über virtuelle Dropboxes verschoben, gemeinsame Studiowochenenden organisiert; mit Engineer, Mix- und Mastermind <strong>Roe Beardie</strong> schließt das Quartett sich immer wieder in den Kölner <strong>Brewery Studios</strong> von <strong>Erik »Kut-L« Breuer</strong> ein.  Zwei Songs entstehen auch in einem verlassenen Berliner Ost-Außenbezirk beim ehemaligen Aggro Berlin-Engineer Dan. Je konkreter das Projekt wird, desto mehr fügen sich die Mosaiksteine einer tiefen Verwurzelung in der HipHop-Community zusammen. »Wir haben ohne jedes Budget mit den unglaublichsten Typen gearbeitet«, schwärmt <strong>Schivv</strong>. Nicht nur mit <strong>Roe Beardie</strong> und Videoregisseur/Fotograf <strong>Lennart Brede</strong>, sondern auch mit den Produzenten <strong>Crada</strong> und <strong>Adlib</strong> sowie den spektakulären Feature-Gästen <strong>Olli Banjo</strong> (der schon auf der »Deutschen Reimachse« als Jungspund mit von der Partie war) und <strong>Sido</strong>, mit dem DCS noch mal ein wenig in der Vergangenheit schwelgen: <strong>»Wie war das noch mal 2012«</strong> entsteht sogar auf Initiative des ehemaligen Maskenmannes aus dem Märkischen. Plötzlich ist <strong>»Silber« </strong>fertig. <strong>DCS</strong> waren zwölf Jahre raus und weg. Im Januar 2012 erscheint ihr neues Album. Der Kreis schließt sich endgültig.</p>
<p>Es versteht sich von selbst, dass <strong>»Silber«</strong> musikalisch und textlich das reifste Werk der Kölner Formation ist. Der Löwenanteil der Produktionen stammt von den Bandmitgliedern Peer und Lifeforce, doch DCS wären nicht sie selbst, hätten sie nicht auch Vertreter der aktuellen Produzentengeneration in ihr Comeback (ja, man darf es so nennen!) integriert: Mit Crada und Adlib sowie dem ewigen Roe Beardie konnten sie drei Beat-Freaks verpflichten, die mit ihrem traditionalistisch geerdeten Next-Level-Sound perfekt zu einer Band passen, die sich ideologisch niemals in doofes Ewiggestrigentum und Früher-war-alles-Besserwisserei verstrickt hat. <strong>DCS</strong> liefern keinen Gegenentwurf zum ohnehin im Rückzug begriffenen Straßen-Rap, sondern cruisen auf ihrer ganz eigenen Standspur gen Regenbogenende. Nicht im übermotorisierten, getuneten Sportwagen, sondern im eleganten Vintage-Jaguar. Stilvoll, entspannt, ohne Druck im Nacken. Sie sind zufrieden mit ihrem jetzigen Leben, die frühere Wut und Aggression ist einem souveränen Selbstbewusstsein gewichen. Diese Erdung in der Wirklichkeit verleiht <strong>»Silber«</strong> seinen ganz speziellen Geist. Andere spielen Golf, segeln durchs Mittelmeer oder bauen Wein an. <strong>DCS</strong> machen eine Rap-Platte.</p>
<p>Wie war das noch mal? »Remember back in the days/when we were young and amazed.« Wir sind vielleicht nicht mehr ganz young, aber immer noch sehr amazed. Zumindest, wenn eine Platte wie <strong>»Silber«</strong> unseren Weg kreuzt.</p>
<p>(<a href="http://www.dcsweb.de" target="_blank">dcsweb.de</a>)</p>
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